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Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso

Aufstieg und Fall eines westafrikanischen Musterstaats

Wir müssen diese Hilfe durch unsere eigene Produktion überflüssig machen. Wir müssen es schaffen, mehr zu produzieren, weil es normal ist, dass derjenige, der euch zu essen gibt, euch auch seinen Willen aufzwingt.

1986, Thomas Sankara ehem. Staatschef von Burkina Faso

Fakten zu Burkina Faso

Burkina Faso

Bevölkerung

  • 19,8 Millionen Bewohner
  • 44 Prozent, sind unter 15 Jahre alt
  • Durchschnittliches Alter 25 Jahre
  • Bevölkerungswachstum 2,9% jährlich
  • Ländliche Bevölkerung 70.0%
  • Lebenserwartung 59 Jahre (Deutschland: 81 Jahre)

Wirtschaft

  • BIP aus der Landwirtschaft 34.2%
  • Pro-Kopf-Einkommen 715 USD
  • Arbeitslosenquote 6,02 %*
  • Der Gold- und und Mineralienabbau ist wichtig für den Export, schafft wenig Arbeitsplätze und ist intransparent was die Einkünfte betrifft
  • Zweitstärkster Baumwollexporteur in Afrika

Sankaras Idee überlebt

Noch vor gar nicht so langer Zeit war eines der ärmsten Länder Welt – nach wenigen Jahren der Reformen – in der Lage, sich selbst zu versorgen.

Anstatt zu hungern, erwirtschaftete die Landwirtschaft von Burkina Faso sogar einen Überschuss und konnte Teile der Ernte in die Region exportieren. In der kurzen Regentschaft unter Thomas Sankara war die Gleichberechtigung der Geschlechter, das Ende der Zwangsehe und die Förderung der regionalen Wirtschaft auf der politischen Agenda.

Thomas Sankara konnte zwar die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Projekt PATECORE vorbereiten (seit 2006 von Terra Verde fortgeführt), doch den Start erlebte der 1987 ermordete Staatschef nicht mehr.
Drei Jahre nachdem Sankara durch einen Putsch an die Macht kam, wurde er brutal ermordet und sein ehemaliger Weggefährte Blaise Compaoré wurde Präsident – 27 Jahre lang. 2014 widersetze sich das Volk seinem Begehren einer weiteren Amtszeit mit weitgehend friedlichen Massenprotesten und leite die ersten demokratischen Wahlen im ehemaligen Obervolta ein. Aus der als frei und fair bewerteten Wahl ging ihr Präsident Roch Marc Kaboré hervor und läutete eine neue hoffnungsvolle Ära ein.

Hoffnung für das Land der „Aufrechten“

Seit 1980 heißt der westafrikanische Binnenstaat Burkina Faso, was sinngemäß „Land der aufrechten Menschen“ bedeutet. Viele der herzlichen Burkinabe verehren noch heute Sankaras reformatorischen Ziele, denn nichts braucht das Land dringender als ein Ende der Armutsfalle und die Stabilisierung der Sahelzone gegen islamistischen Terror.

2020: Arme Umwelt – arme Bevölkerung

Burkina Faso ist jung, arm und als Binnenland auf Frieden angewiesen. Die 20 Mio. Menschen werden sich bis 2050 verdoppeln, sind im Durchschnitt knapp 25 Jahre alt (World Bank) und 70% betreiben eine selbstversorgende Landwirtschaft. Dürreperioden treffen besonders die in der Sahelzone liegenden Landesteile

Der Hunger der Bauern

Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsschwelle. Der Human Development Index von 0,423 (Rang 183 von 188 Ländern) weist das Land als eines der ärmsten der Welt aus, dabei sind ländliche Gebiete besonders stark von Armut betroffen. Ländliche Haushalte sind 1,5 mal mehr von Ernährungsunsicherheit betroffen als städtische.

© Filip Erlind

Wachstum auf Kosten der überlebensnotwendigen Umwelt

Das gegenwärtige Wirtschaftswachstum von über 4% besteht hauptsächlich aus dem boomenden Gold- und Baumwollanbau. Weil aber das praktizierte Anbausystem die Desertifikation beschleunigt, werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Umweltkosten den gesellschaftlichen Nutzen – insbesondere für künftige Generationen – bei Weitem übersteigen. Neben Gold und Baumwolle gibt es kaum nennenswerte Exportprodukte.

Klima

Das Klima ist tropisch-wechselfeucht mit einer Regen- und Trockenzeit. Während der Trockenzeit, die von November bis April andauert, wird das Land vom Harmattan heimgesucht, ein trockener, staub- und sandführender Wind, der das Land ausdörrt.
Die Dauer der Regenzeit sowie die Häufigkeit und Menge der Niederschläge nehmen von Süden nach Norden hin ab: bei einer jährlichen Niederschlagsmenge von ca. 600 mm im Norden, 600-900 mm in den zentralen Regionen und mehr als 900 mm in den südlichen Landesgebieten (UNDP 2019). Vor allem im Nordosten ist die Niederschlagsvariabilität groß. Dies erschwert die Landwirtschaft und kann auch ohne Dürren zu Nahrungsmittelengpässen führen.

Umwelt und Landwirtschaft

Zum größten Teil besteht das Land aus einer Trockensavanne mit spärlichem Baumbewuchs, welche jedoch zunehmend für die Ernährung und den Anbau für Baumwolle gerodet und in Ackerfläche umgewandelt wird. Im Südwesten wird die Vegetation im Übergang zu den Feuchtsavannen deutlich dichter. Deshalb ist diese Region ein Einwanderungsgebiet; vor allem für Umweltflüchtlinge aus dem Zentral Plateau. Die Landwirtschaft ist gekennzeichnet durch eine fortschreitende Degradation der Böden und eine große Abhängigkeit von Klimaveränderungen. Überweidung und Bevölkerungsdruck kommen erschwerend hinzu.

Entwicklungschancen

Die Bevölkerungszahl ist mit einem jährlichen Wachstum von 2,6% sprunghaft angestiegen. Der Anteil der jungen Menschen an der Gesamtbevölkerung ist sehr hoch (bedingt durch eine geringe Lebenserwartung und hohe Geburtenrate). Der größte Teil der Bevölkerung ist extrem arm: das jährliche pro Kopf Einkommen beträgt 230 USD (Tendenz fallend). Nur ein Viertel der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Krankheiten wie Malaria, Aids und Tuberkulose fordern viele Opfer. Dürren, Desertifikation und Landflucht bestimmen das Überleben insbesondere der ländlichen Bevölkerung.

Ohne Unterstützung hat das Land nur sehr geringe Entwicklungschancen. Burkina Faso ist ein stagnierender LIC (Low Income Country) und wird langfristig in der Armutsfalle – hohes Bevölkerungswachstum und Zerstörung der natürlichen Ressourcen – verharren.

 

Bildung und Entwicklung

  • Human Development Index Rang 183 von 189
  • 40 % der Bevölkerung leben in extremer Armut,
  • 25 % der Bevölkerung ist unterernährt
  • 2/3 der Gesamtbevölkerung sind mind. einmal im Jahr von saisonalem Hunger betroffen
  • nur 67 von 100 Kindern im Grundschulalter gehen zur Schule
  • jedes zweite Kind zwischen 7 und 14 Jahren muss arbeiten

Wenig Perspektiven für die Jugend

Viele Jugendliche können dank Massenmedien ihre Situation mit der Lebensweise der reichen Welt vergleichen. Insbesondere in Städten entsteht eine wachsende Gruppe von Unzufriedenen, welche schnell anfällig für einfache Erklärungen, Feindbilder, Hass und Gewalt werden können. Junge (männliche) Menschen ohne jegliche Perspektiven sind der Nährboden für gewalttätige Auseinandersetzungen, welche bis zum Bürgerkrieg eskalieren können (siehe Liberia, Sierra Leone, Elfenbeinküste)

Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Der Staatshaushalt von Burkina Faso wird zu einem wesentlichen Teil durch Entwicklungsgelder finanziert. Neben den bilateralen Gebern (u.a. Frankreich, Holland, Deutschland, Dänemark, Schweiz) sind die Europäische Union sowie die Weltbank die größten Einzelgeber in der Entwicklungszusammenarbeit.

Die Zukunft

Mit öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit ist sehr viel erreicht worden, doch die Zukunft liegt in der Förderung der Eigenverantwortlichkeit, denn die vielen Kleinbauern sind tüchtige Menschen und gewillt viel Arbeit in ihre eigene Zukunft zu investieren – wie zu Zeiten ihres Idols Präsident Sankara.